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Ein Mollath – alle Mollath

Ob nun die Juristen aktuell ziemlich blauäugig mit ihren Wiederaufnahmeanträgen waren, oder dieses Scheitern politisch gewollt ist, will ich hier mal dahin gestellt sein lassen. Wer an welcher Stelle die Finger im Spiel hatte, wird, so meine Intention, nicht ans Tageslicht kommen. Gustl Mollath ist in die Mühlen der Justiz und der Gutachter geraten. Eines steht fest: seine Anschuldigungen gegen die HRE (frühere HypoVereinsbank) sind von einem bankinternen Bericht in weiten Teilen bestätigt worden. Wer die Bankenlandschaft etwas kennt, der weiß um den Ruf der Hypo-Vereinsbanken, die sich eines recht elitären Stils, auch im Umgang mit anderen Banken befleißigte. Das Klima innen konnte man nicht gerade als flache Hierarchie und durchlässig ansehen.

Paul PawlowskiNeben der Agenda des brutalen Ehemannes, die von ihm vehement bestritten wird, bleibt ein merkwürdiger Beigeschmack, wie dieses Wegsperren als Psychopath zustande kam. Durch Elitedenken und auch vorauseilendem Gehorsam, der da gerne gedeiht, können Kräfte in Bewegung gesetzt werden, die Rechtsstaatlichkeit völlig außer Acht lassen. Dazu bedarf es keinerlei Verschwörungstheorie. Die aktuellen (Lausch-)Angriffe auf den Rechtsstaat durch den Staat sprechen eine erschreckende Sprache. Sie entstammen dem gleichen elitären Klima.

Psychologie als Instrument

Instrumente mit denen man sich Missliebiges vom Hals halten kann, gibt es zuhauf. Die Psychologie und Psychiatrie liefert sie reihenweise. Geneigter Leser nehmen sie einen Zettel und Bleistift. Für jedes „ja“ als Antwort auf die folgenden Aussagen einfach einen Strich auf dem Zettel. Mit jedem Strich sind sie einen Schritt in Richtung Gustl Mollath unterwegs:

 

  • Sie sind ein guter Zuhörer und als schlagfertiger Gesprächspartner bekannt
  • Selbstsicherheit ist ihnen eigen und durchaus auch mal starrsinnig
  • Sie sind kein Langweiler und suchen die neue Herausforderung
  • Eine gewisse Schlitzohrigkeit wird ihnen nachgesagt
  • Sie brechen nicht gleich in Tränen aus, wenn es mal ungerecht zugeht
  • Geselligkeit ist durchaus ihr Ding, jedoch wahren sie eine gewisse Distanz
  • Wenn es Ihnen reicht, kann es schon mal zu einer Taktlosigkeit kommen
  • Wenn ein anderer sich danach drängt für sie zu zahlen, hindern sie ihn nicht immer
  • Kurzen sexuellen Begegnungen sind sie nicht abgeneigt
  • Als Kind haben sie mal Mama oder Papa belogen und masturbiert
  • Eine langfristige Ziel-Planung haben sie sich abgewöhnt
  • Manchmal sind sie töricht und essen doch ein Eis, trinken ein Glas Wein mehr, als ihnen gut tut.
  • Es kommt schon mal vor, sie vergessen eine Rechnung zu bezahlen, ein Termin einzuhalten
  • Ihr Lebensweg zeichnet sich durch mehrere Partnerschaften aus
  • Als Jugendlicher waren auch schon mal aggressiv und haben auch Feindschaft für jemanden empfunden
  • In manchen Dingen gelten sie als beratungsresistent
  • Sie haben sich schon mal diebisch gefreut, nicht erwischt worden zu sein. Das auch noch später mal grinsend erzählt

Wenn sie jetzt mehr als 7 Striche auf dem Zettel haben, dann wird es Zeit, sich darum zu bemühen, einen Platz in einer geschlossenen Anstalt zu reservieren. Eine Mutter, die diese Fragen in Bezug auf Ihren Sohn bis auf zwei alle mit ja beantworten musste, war geschockt. Sie stöberte im Internet auf der Suche nach Hilfe und fand diese Liste zur Erkennung von Psychopathen. Ihren Blogbeitrag finden sie unter dem Artikel.  Diese Liste ist kein Witz, sie ist ein Werk des kanadischen Kriminalpsychologen Robert D. Hare .  Zugegeben, ich habe diese Aussagen bewusst so aufbereitet, dass fast jeder als Psychopath diagnostiziert werden kann.  Wer kann sagen, dass Herr Mollath, aus welchen Gründen auch immer, nicht durchaus gezielt einer solchen Diagnose zugeführt wurde.  Hier ist der PCL-Test käuflich zu erwerben. Es ist also ein gängiges Instrumentarium. Dieses Gebilde aus Machtinteressen kann bedrohliche Züge annehmen, die auch in Teilen eine Eigendynamik in Gang setzt, die wie auf Schienen zum gewünschten Ziel führt.

Jetzt dürfte jedem bewusst sein, wie schnell eine Diagnose mit einigem Fachjargon untermauert, zu einem Ergebnis kommen kann, das sich fatal auf den Lebensweg eines Menschen auswirkt. Wenn der Betroffene nicht über die finanziellen Mittel und den familiären Rückhalt verfügt, Gegengutachten und Anwälte aufzubieten,  kann das unsägliches Leid bedeuten. Die Justiz und das Gutachterwesen sind fast als geschlossene Gesellschaft anzusehen. Hier kennt man sich, spielt Tennis und Golf, ist in den gleichen Vereinen und Parteien. Seit Jahren regt sich Kritik aus den eigenen Reihen. Insbesondere in Familienrecht, Haftpflicht und Psychiatrie wird sogar Unwissenschaftlichkeit vorgeworfen. Insbesondere wenn es um Obergutachter geht. Da wird mitunter eine rhetorische Schlacht geschlagen, die mit der Sache nichts gemein hat. Dazu gibt es eine gute Abhandlung von Stefan Wolff unter dem Titel „Text und Schuld: Die Rhetorik psychiatrischer Gutachten“.

Wahl der Waffen – mit dem Revolver zum Degenduell

Jeder Strafverteidiger kennt z.B. genau die Steckenpferde der bestellten Gutachter. Kennt also unter Umständen schon das Ergebnis des Gutachtens, bevor es erstellt wurde. Auch Gutachten nach Aktenlage sind nichts Ungewöhnliches. Da hat der Gutachter den zu Begutachtenden nicht mal zu Gesicht bekommen. Auch Gutachter sind Menschen und haben ihr Wertegerüst. So ist es aber durchaus auch möglich, sich genau für das gewünschte Ergebnis, den richtigen Gutachter auszuwählen. Was im Fall Mollath in den einzelnen Schritten Gutachter, Politiker und Juristen bewogen hat, so zu entscheiden, wie entschieden wurde, bleibt sicher größtenteils verborgen. Wenn die Staatsanwaltschaft auf Anweisung des Ministeriums eine Wiederaufnahme betreibt, bleibt neben dem Wahlkampfgetümmel schon ein erheblicher schaler Beigeschmack.

Ich wünsche ihnen allen, dass sie nie durch ein paar geschickte Fragen und voluminösem Fachchinesisch entsorgt werden.

Paul Pawlowski (pp)


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