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Jogging-Point

Die Ley(d)en der Bundeswehr

Autor Dietrich Kantel

Seit dreieinhalb Jahren ist der oberste Chef der Bundeswehr eine Chefin: Ursula von der Leyen, in den sozialen Netzwerken kurz oft einfach „vdL“ oder, weniger charmant, auch „Uschi“ genannt. Ihre militärische Kurzbezeichnung lautet „IBuK“. Das steht für „Inhaber der Befehls- und Kommandogewalt“. In dieser Funktion hat sie bisher kaum reüssiert. Ihre Stärke liegt wohl eher auf dem Gebiet der Selbstinszenierung.

Schnellschüsse

Falsch verstandenen Korpsgeist“ und generell ein „Haltungsproblem“ warf die IBuK pauschal und lauthals der gesamten deutschen Truppe anlässlich der Enttarnung des Oberleutnant A. vor. Und als wäre dieses öffentliche Soldaten-Bashing ihr nicht genug, sagte die Ministerin Hals über Kopf ihre USA-Reise ab, begab sich mit einem Tross von 40 Journalisten in die Kaserne im Elsaß, wo Franco A. stationiert war und schaute dann vor laufender Kamera nach dem Rechten. Dort entdeckte die Ministerin weiter Unglaubliches: Bundeswehrsoldaten würden u.a. Kriegsdevotionalien sammeln, auch solche der alten Wehrmacht oder sogar ausgemusterte Waffen derselben. Hierüber empörte sie sich weiter öffentlich, als wenn Soldaten bestenfalls mit Legosteinen oder Modelleisenbahn und Soldatinnen nur mit Barbiepuppen oder Schminkkästchen spielen dürften.

Angehörige von Armeen anderer demokratischer Staaten dürften sich angesichts solchen Traditionsverständnisses schlapp lachen. Und, angesichts solcher Phobie vor Waffen aus der Vergangenheit wäre es folgerichtig, wenn die Ministerin die historischen WK2-Panzer im Panzermuseum der Bundeswehr im niedersächsischen Munster unverzüglich verschrotten ließe. Vielleicht beichtet Frau von der Leyen auch einmal jemand ganz im Vertrauen, dass die Karabiner 98, mit denen das Wachbatallion repräsentiert, noch aus Wehrmachtsbeständen stammen. Produktionszeit: 1934 bis 1945.

Diese Inszenierungen waren erkennbar Schnellschüsse der Ministerin, wie sich blitzkriegartig zeigte und völlig unüberlegte noch dazu. Solchermaßen öffentlich zusammengestaucht, fühlten sich aktive Soldaten wie auch zahllose Reservisten gedemütigt und beleidigt. Der truppeninterne Aufschrei ob solchen Soldaten-Bashings durch die eigene Chefin war denn auch so enorm, dass vdL nicht umhin kam, sich vor der kurzerhand zusammengetrommelten Generalität und Admiralität zu entschuldigen.

Anstand, Loyalität, Fürsorge – Fehlanzeige

Jeder Vorstandschef eines Wirtschaftsunternehmens, der vergleichsweise dilettantisch agiert hätte wie diese Ministerin, um einen bekannt gewordenen Missstand im Unternehmen in den Griff zu bekommen und abzustellen, wäre vom Aufsichtsrat schon längst entsorgt worden.

Treffend analysierte der Spiegel-Kolumnist Jan Fleischhauer zum Umgang der Ursula von der Leyen mit der Truppe im Fall Franco A., die Ministerin habe sich als jemand präsentiert, „der alles dem eigenen Fortkommen unterordnet – Anstand, Loyalität und Fürsorgepflicht für die 250.000 Menschen, deren Wohlergehen direkt von ihren Entscheidungen abhängt“.

Wegtreten !

Doch es geht offensichtlich immer noch schlimmer:
Bei Anne Will kündigte die Ministerin einen „Säuberungsprozess“ in der Truppe an. Was für eine Vokabel und in was für einer Tradition steht dieses Wort. Säuberungen fanden vor allem unter den schlimmsten Herrschern der Vergangenheit statt: Unter Stalin, unter Mao, unter Polpot und unter Hitler durch die Gestapo. Aktuell auch unter Erdogan. Und ihnen fielen bekanntlich Millionen Menschen zum Opfer.

Die Ministerin, vor dreieinhalb Jahren selbst erklärt als große Neugestalterin der Bundeswehr angetreten, hat als einzige Erfolge bisher vorzuweisen, dass die Soldatenstuben mit Flachbildschirmen und Kühlschränken und die Kasernen mit Kitas aufgerüstet werden. Im Krisenmanagement dagegen hat sie jetzt zum wiederholten Male versagt. Schuld bei ihr sind immer die anderen. Und ein Herz für die Truppe, die inzwischen in etlichen Ländern unter Einsatz des Lebens im Feuer steht, hat Frau von der Leyen auch nicht.

Wegtreten, Frau Minister !

Dietrich Kantel


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