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Deutschland im Sommer

Die Sommerurlaube gehen zu Ende. Man kehrt heim. Entspannt, voller guter Erinnerungen. Die kleinen Alltagsprobleme oder Ärgernisse waren vergessen, verdrängt, jedenfalls irgendwie eine Zeitlang verschwunden. Mal etwas easy living. Dann kann es jetzt ja wieder losgehen. Und das tut es denn auch.

Lebensberechtigungsausweis

Keine Existenz, ohne Geburtsurkunde
©seppspiegl

Da sichtet der Heimkehrer seine aufgelaufene Post. Deutsche Rentenversicherung. Was hat die denn wohl? Ach ja, vor ein, zwei Jahren war da eine Aufforderung zur sogenannten Kontenklärung. Der Adressat, Freiberufler seit über 30 Jahren hatte da noch etwas aufzuklären. Wehrdienstzeiten, Referendarausbildung, freiwillige Wehrübungen, Studienzeiten. Geführt wurde der Adressat von wegen Wehrdienst bei der Rentenversicherung ausweislich des beigefügten Rentenverlaufes schon seit 1975, also über 38 Jahre. Mit Versicherungsnummer. Die enthält auch das Geburtsdatum des Versicherten. Anschrift war auch korrekt. Dann hatte der Adressat vor Monaten die angeforderten ergänzenden Unterlagen übersandt. Jetzt die neue Nachricht: Leider haben sich noch Fragen ergeben… Bitte senden Sie mir noch folgende Unterlagen: angekreuzt war dann in dem automatisierten Schreiben:  Ihre Geburtsurkunde!

Null Beschäftigte: macht 5 Euro 99

ARD + ZDF ©ard

Der Geschäftsführer eines wenige Monate alten Start-up-Unternehmens (Mini-GmbH), keine weiteren Angestellten, keine eigenen Geschäftsräume außer seinem Privatschreibtisch, findet nach Rückkehr aus dem Urlaub einen Bescheid der GEZ-Nachfolgeorganisation. Es werden Rundfunkgebühren verlangt. In dem Erhebungsbogen werden Angaben gefordert über die Betriebsstätte, eventuelle weitere Filialen, Anzahl der Kraftfahrzeuge, Anzahl der Beschäftigten usw.. Kurze Erleichterung verschafft nach erstem Studium der Richtlinien des betreffenden Staatsvertrages, dass der Geschäftsführer selber nicht in die Berechnung der Anzahl der Beschäftigten einfließt. Dann ist ja alles gut: keine eigene Betriebsstätte, keine Beschäftigten – also kein Rundfunkbeitrag. Wäre da nicht noch die Staffel über die Höhe der Beiträge je Anzahl von Beschäftigten. Nun könnte der gesunde Menschenverstand in einer natürlichen Betrachtungsweise dazu verleitet sein zu schlussfolgern, dass bei null Beschäftigten kein Beitrag fällig sei. Ein solcher Mensch denkt jedoch falsch in diesem unseren Land. Mit dem gesunden Menschenverstand kommt man nämlich nicht mehr sehr weit. Er hat die Rechnung ohne die Verantwortlichen aus der Verwaltungs- und Gesetzgebungsbürokratie gemacht. Die Staffel beginnt nämlich nicht bei einem Beschäftigten im Betrieb. Wo kämen wir denn da hin. Die Staffel, erste Stufe,  beginnt für die Beitreiber der verfassungswidrigen Zwangsabgabe praktischerweise bei null Mitarbeitern. Nämlich fällt für Betriebe von 0-8 Mitarbeitern genau und auch ausdrücklich eine 1/3-Gebühr in Höhe von Euro 5,99 pro Monat an. Zahlen für Nichts scheint ohnehin die Grundlage der neuen Rundfunksteuer zu sein. In Deutschland. Und nicht nur im Sommer.

Die Bahn kommt

Deutsche Bahn in Kooperation
©DB

Alter Werbeslogan der Deutschen Bahn. In Mainz kam sie in den Sommerwochen aber gar nicht und auch die Stadt Bielefeld soll Sie ja schon häufiger nonstop liegengelassen haben. Internetforen stellen die Existenz dieser Stadt Ostwestfalens auch deswegen grundsätzlich in Zweifel. Doch jetzt kommt die Bahn den Reisenden massiv mit Internet. In den ICEs. Mit der Telekom. Drahtlos. Und in immer mehr Zügen – verspricht sie. War bisher bei der Deutschen Bahn eher Neuland. Internet gibt’s ja auch noch nicht so lange. Sagt sogar die Kanzlerin. Warum also vorpreschen. Doch jetzt, versprochen, wird nachgeholt und aufgerüstet. Vernahm auch die junge Geschäftsreisende, die auf die Möglichkeit während der vielstündigen Zugfahrt arbeiten zu können vertraute. Es waren noch Sachen abzuarbeiten und online an die Zentrale zu übermitteln. Der Geschäftsherr hatte für die Mitarbeiterin Bahnfahrt ICE 1.Klasse gebucht. Da haben Sie ja Internet und senden die Sachen dann von unterwegs. Die Fahrt ging los. Von Mainz. Das klappte also immerhin schon wieder. Also fertig, Laptop raus, bequem gemacht und ab ins Internet. Das klappte dann aber nicht. Und nach vergeblicher Fehlersuche konnte auch der gerufene Zugbegleiter nicht helfen: Sie sind nicht Kundin der Telekom? Tja, da hätten Sie sich aber spätestens 24 Stunden vor Reiseantritt anmelden müssen. Kostet übrigens fünf Euro. Fünf Euro in der 1.Klasse und 24 Stunden vorher anmelden. Kleiner Vergleich: Im Thallys ist das in der 1.Klasse kostenlos und der Zugbegleiter wird nur nach dem aktuellen Passwort gefragt. Sofort ist man drin. Selbst in der 2.Klasse geht das so bei bestimmten Vorausbuchungen. Und sonst: steigt man ein, wählt das Bordnetz an, lädt sich ein Guthaben herunter und zahlt per Kreditkarte. Geht sofort. Die Deutsche Bahn. Sie kommt?

Bundesverbotsrepublik Deutschland

Der Rückkehrer aus der Sommerfrische wird noch mit den im Sommerloch aufgelaufenen Verbotsmanien mancher Politiker konfrontiert. Rauchverbot in Kneipen haben wir ja schon. Geschenkt. Es gibt Wichtigeres. Verbot von Plastik-Einkaufstaschen. Ja haben wir denn nicht den tollen Gelben Punkt, der alles gegen Zwangsabgabe perfekt recycelt? Verwaltet von abgehalfterten Politikern?  So wie die Lottogesellschaften? Fleischverbot an einem Tag in der Woche wird jetzt propagiert. Lassen solche Politiker, die das vertreten, uns noch selber denken? Verbot der häuslichen Elternerziehung verbunden mit Kita-Pflicht schwebt bestimmten politischen Kreisen vor. Eltern sind ja auch einfach zu blöd. Haben Erziehung nicht studiert. Staatlich ist besser. Ein weiterer Protagonist dieser politischen Bevormunder will (mal wieder) ein Wochenendfahrverbot für Privat-PKW. Komischerweise kommt solches von Profi-Politikern, die den Fahrdienst des Deutschen Bundestages und auch sonst alles kostenlos nutzen bis hin zur Flugbereitschaft der Bundeswehr. Den Chauffeur mit der A8-Limusine lassen sie parallel vorsichtshalber zeitnah vor Ort fahren. Zum Beispiel bis nach Spanien.  Für den Wahlkampf sitzen die dann aber auf einmal auf dem Fahrrad.

Deutschland im Sommer.

Dietrich Kantel




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