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Deutsche Haushalte werden bewaffnet

..zumindest der Bürger vorerst noch defensiv!  Aber es ist schon mal ein Anfang.

Einbruchs-Statistik BKA

Einbruchs-Statistik BKA

An räuberischen Angriffen auf Kraftfahrer sind im vergangenen Jahr fast 400 Fälle bekannt geworden. Dazu zählen sicherlich auch die Überfälle auf LKW`s. Aber haben Sie sich schon einmal gefragt, warum in PKW`s der höheren Preisklassen mancher Hersteller die Türverriegelung ab circa 5-15 km/h alleine zuschnappt…?  Dieses nette kleine „Beiwerk“ – Anti-Car-Jacking-Function genannt –  ist nun nicht deshalb erfunden worden und heute fast Standard, damit der Besitzer nicht unabsichtlich aus dem Auto fällt. Das Ganze hat einen schlicht kriminellen Nährboden. Als ich vor über zwanzig Jahren von der Hamburger Polizei einmal darauf hingewiesen wurde, doch meine Zentralverriegelung zu nutzen, wenn ich nachts aus einem Büro im Stadtteil St.Georg komme und nach Hause fahren will, habe ich nur gefragt, ob das sein müsste. Sie antworteten mir, es sei auf jeden Fall sicherer. So könnte ich Belästigungen an Ampeln durch Prostituierte oder auch einem Überfall vorbeugen. Nun schmunzeln Sie bitte nicht,  wie damals meine Frau, darüber, ob ich das Erstere als Belästigung ansehen würde. Mir wurde bei diesem Rat der Polizei ganz anders zumute, denn ich hatte niemals darüber nachgedacht, dass jemand mich mitten auf der Straße anhalten und überfallen könnte. Sicher, wir haben  nun nicht südafrikanische Zustände, aber still und heimlich schleichen sich solche alltäglichen Dinge, wie solche Sicherheitsfunktionen ein, die wir durchaus auch als angenehm empfinden können. Diese verdecken nur den oft recht bösen Hintergrund. Kein Hersteller gibt auch nur einen müden Euro dafür aus, wenn es dazu keine Veranlassung gäbe. Die Schwierigkeiten bei einem Unfall, das Fahrzeug nicht öffnen zu können, scheinen der Vergangenheit anzugehören. Es wird also durchaus als denkbar angesehen, dass jemand an einer Ampel ausgeraubt oder aus dem Auto gezogen werden könnte.

Der Irrsinn Sparpolitik an innerer Sicherheit

Die Kriminalstatistik für 2014 sagt aus, dass wir eine Zunahme um 6,3 Prozent von 2013 auf 2014 bei den Delikten vollendeter Mord und Totschlag  haben.  Die Einbrüche haben sich von 2009 bis heute sogar um 30 Prozent gesteigert. Fast die Hälfte der Einbrüche wird während des Tages durchgeführt. Wobei die Aufklärungsquote bei etwas mehr als 14 Prozent (regional durchaus sehr unterschiedlich) liegt.

Letztens fuhr ich durch meine Wohngemeinde und sah eine Person etwas verdeckt in einem kleinen Wald am Rande der Landstraße umherschleichen. Bei näherem Hinsehen stelle ich fest, es war ein Polizist. Dieser beobachtete den fließenden Verkehr und wies seine Kollegen, die in etwa 600 Meter Entfernung warteten, an, verdächtige Fahrzeuge zu überprüfen. Man machte Jagd auf die mobilen Einbrecherbanden, die europaweit ihr Unwesen treiben. Diese Maßnahme wurde ergriffen, als die Stadt Bonn und der umliegende Rhein-Sieg-Kreis fast Einbrecher-Spotzenreiter in Deutschland wurden. „Für sowas haben wir sonst überhaupt keine Zeit und Möglichkeit, nur wenn die da oben das anordnen“, so die Aussage eines ungenannt bleiben wollenden Beamten.  „In den Abend- und Nachtstunden sind wir personell so ausgedünnt, dass gezielt von Räuberbanden durch Schlägereien die Polizeikräfte in einen Bereich des Kreises gelockt werden, damit man dann andernorts in Ruhe Einbrüche begehen kann.“, so die Aussage eines Polizeibeamten aus einem Flächenlandkreis. Die Banden kennen die enge Personalsituation der Polizei und nutzen dieses geschickt aus.

Kauder auf Facebook

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Von 1998 bis 2010 wurden bei den Länderpolizeien rund 10.000 Stellen gestrichen. Dieser Abbau hat natürlich Folgen. Selbst ein Realitätsverdränger wie der Nordrhein-Westfälische Innenminister Jäger  muß eingestehen, das es nicht möglich ist, die in die nahöstlichen Kriegsgebiete gereisten Helfer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) nach ihrer Rückkehr nach Deutschland wirkungsvoll zu überwachen. Da müsse man Prioritäten setzen, sagt Jäger . Dazu Konrad Freiberg, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei: „Es ist skandalös, mit welcher Ignoranz Politiker in Bund und Ländern ihr Spardiktat auf dem Rücken der Polizeibeschäftigten austragen und so zunehmend die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger aufs Spiel setzen.“ Allein das Land Brandenburg plant, bis 2020 weitere 1600 Stellen abzubauen. Selbst der Grüne Politiker Anton Hofreiter fordert mehr Polizeikräfte.  Einige Bundesländer stoppen inzwischen diese Sparpolitik, die der Steuerzahler dann durch andere Kanäle doch bezahlen muß.

Sicherheit als Show und Konjunkturprogramm

Die Prioritäten der Polizei sehen so aus:  In 21 Ländern Europas feierte man den Blitzmarathon gegen zu schnelles Fahren – in Deutschland waren 13.000 Polizisten an 7000 Messstellen mit von der Partie. Als „reines Medienspektakel“ bezeichnet Verkehrswissenschaftler Michael Schreckenberg von der Universität Duisburg-Essen diese Aktionismus. „Die Aktion hat überhaupt keine nachhaltige Wirkung„, sagt er. Bei einem Auffahrunfall in der Bonner City warteten die Unfallbeteiligten geschlagene zwei Stunden auf die Polizeibeamten. Fast alle waren bei dem Blitzspektakel eingesetzt. Was die Beamten über diese Aktion denken, wird nur hinter vorgehaltener Hand gesagt und keinem Journalisten zur Wiedergabe offiziell erlaubt.  Dass es eine nette Showveranstaltung ist, sagt die Statistik auch:   2014 stieg die Zahl der Verkehrstoten in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr um 0,9 Prozent an.

Die SPD mit sozialem Einbrecherausgleich.

Die SPD mit sozialem Einbrecherausgleich auf facebook

Der Gipfel der Frechheit ist aber wirklich das jetzt verabschiedete Konjunkturprogramm für Schloß- und Riegelhersteller. Über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KFW) gelangt man an Förderprogramme zum Einbruchsschutz. Diese Abwrackprämie für Haustüren und Fensterläden nenne ich defensive Bewaffnung. Ein steuerlicher Anreiz oder Zuschuss, ist in unserem Steuersystem und politischem Handlungsmustern als Lobby-Gieskanne tief verankert. Es ist auch klar, dass man mehr als ein Jahrzehnt Abbau der Polizei nicht über Nacht wieder auffüllen kann. Aber das auch noch als Teil politischen Handelns, als Beitrag zur Sicherheit der Bürger zu verkaufen, ist eine Frechheit. Die SPD setzt noch einen drauf und erklärt, sie habe durchgesetzt, dass die Suvention auch sozial gerecht verteilt werde. Schließlich kämen ja auch Mieter in den Genuss der Förderung.

Ob das nun zu einer Verringerung von Wohnungseinbrüchen führt, bezweifeln Kenner der Materie. Die Einbruchsbanden kennen die Sicherungssysteme längst und überwinden sie oft professioneller als ein Schlüsseldienst. Diese Profieinbrecher trainieren die Vorgehensweise und kennen alle technischen Neuerungen. Möglicherweise kann punktuell etwas mehr Abschreckung bei „Hobbyeinbrechern“ herausspringen. Diese Täter gehen allerdings, so die Fachleute, dann schlicht mit erhöhter Gewalt vor. Da wird die Riegelsperre nicht sachkundig aufgeschlossen, sondern einfach brutal weggetreten. Es kümmert sich doch kaum jemand in den umliegenden Häusern oder im Mietshaus um den etwas vermehrten Krach dieser Methode.  Wer schert sich heute noch eine Alarmanlage, die den Einbruchsversuch in ein Auto signalisiert?

Ist die nächste Stufe dann doch öffentlich geförderte Bürgerwehr und deren Bewaffnung – oder Aufweichung der Waffengesetze?  Natürlich nur mit Lehrgangs-Zertifikat, die dann von den Wirtschaftsverbänden gegen entsprechendes Entgelt verkauft werden. Schöne Aussichten…

Paul Pawlowski





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