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Chlorhuhn ist böse

Es ist einfach zum verrückt werden. Erst starb der Wald nicht. Dann schloss sich das Ozonloch.  Die Durchschnittstemperaturen auf der Erde steigen seit zwölf Jahren nicht mehr. Und jetzt hat auch noch die Eisfläche der Antarktis ihre größte Ausdehnung seit über 30 Jahren erreicht. Kein Grund mehr zur Panik? Doch – zum Glück gibt´s das Chlorhuhn.chlorhuhn

TTIP – ein Handelsabkommen
Linke und Grüne machen mobil gegen einen neuen Feind: das europäisch-amerikanische Freihandelsabkommen „Transatlantic Trade and Investment Partnership“, kurz TTIP. In der Geschichte haben sich die Befreiung von Maut und Zöllen sowie die Vereinheitlichung von Maßen, Gewichten und Standards stets als Wirtschaftsmotor zum Wohle aller erwiesen. Zum Wohle der Wirtschaft wie auch zum Wohle der Menschen. Nichts anderes soll TTIP bewirken. Wo stünden wir heute ohne die Übernahme des metrischen Systems aus dem napoleonischen Frankreich? Wo, ohne die Deutsche Zollunion, mit der vor knapp 200 Jahren in Deutschland immerhin 1800 Zollgrenzen beseitigt wurden? Wo, ohne die überwiegend nützlichen Vereinheitlichungen innerhalb der EU? Die Unnützen, zumeist Ausgeburten unterbeschäftigter und überbezahlter Euro-Bürokraten lassen wir um des großen Ganzen Willen jetzt einfach mal außen vor.
Diese positive Entwicklung soll nun auf den Wirtschaftsraum Europa-Nordamerika ausgeweitet werden (wenn man die kleine Schwester der TTIB, die Ceta mit Kanada hinzunimmt). Denn das ist letztlich das Ziel von TTIP analog zu den Erfahrungen aus den genannten Beispielen in der jüngeren Geschichte:  Wirtschaftswachstum,  Arbeitsplätze,  niedrigere Preise. Doch im Gegensatz zu damals lauert heute ein Problem. Und das heißt USA. Das alte Feindbild der Linken. Internationalismus hin, Völkerfreundschaft her: In Washington wohnt das Böse und das gilt es zu bekämpfen. Koste es was es wolle. Thema: egal, jetzt eben das Freihandelsabkommen. Und weil die USA der Verhandlungspartner ist, ist das ein von Grund auf böses Projekt. Denn der Partner ist so abgrundlos böse. Ach was, Partner. Es ist der Feind und liefert das Feindbild, dass insbesondere Sozialisten offenbar für ihre Sicht der Welt immer noch brauchen.

Huhn

Der Freiburger Hygieneexperte Franz Daschner: Ich esse lieber ein amerikanisches Chlorhühnchen, als ein deutsches oder niederländisches Huhn, das oft voll steckt mit gefährlichen Bakterien wie Salmonellen und Campylobacter.

Schleichende Vergiftung
Die Linke sowie die orchestrierenden Spendensammler, genannt Nichtregierungsorganisationen vornehmlich aus der Öko-Ecke, allen voran die Kampagnenprofis von Compact e.V., machen uns seit dem Beginn der Verhandlungen zum Freihandelsabkommen glauben, die Amerikaner hätten ihr Wappentier, den Seeadler, durch das Huhn ersetzt. Das wird zur Desinfizierung und zum Schutz vor Salmonellen durch Chlorwasser gezogen und – oh Graus  – soll dann den europäischen Markt überschwemmen, uns arme Europäer schleichend vergiftend. Nicht zu vergessen: Genmais und Hormon-Fleisch. Die sind mindestens genauso von Übel. Diese Dämonisierungen freuen wiederum die europäische Agrarlobby. So hat man endlich mal wieder genügend Pulver auf der Pfanne, um scheinheilig einer Marktabschottung gegen unliebsame Konkurrenz den Weg frei zu schießen.
Während die Propagandisten die Chlorhuhn-Phobie schüren, geht der Europäer natürlich sorglos in das gechlorte Wasser öffentlicher Schwimmbäder, werden Käse und Gemüse zur antibakteriellen Behandlung durch Chlorwasser gezogen. Sterben die Amerikaner am Genmaiskonsum? Erkranken die Amies seriell an verseuchtem Geflügelfleisch? Natürlich nicht. Eigentümlich: die Zahl von Fällen bakterieller Verseuchung von Geflügelfleisch in den USA ist deutlich geringer als in den EU-Staaten. Aber das US-Beef: ist doch mit Wachstumshormonen vollgepumpt! Dass bei uns das Schlachtvieh in großem Stil mit jeder Menge anderer Medikamente vollgedröhnt wird, lassen die bezahlten und aus Spendengeldern professionell entlohnten Kampagneführer in diesem Fall dann ausnahmsweise lieber unter den Tisch fallen. Verständnis dafür, dass die Amerikaner wiederum keimträchtigen Rohmilchkäse – für den Europäer eine völlig vertraute Delikatesse – derzeit nicht ins Land lassen, hat man dagegen nicht.

Alles ist so heimlich
Schlimm ist ja auch, dass die Verhandlungen so geheim in Brüssel geführt werden. Transparenz muss her. Da muss doch jeder mitreden dürfen. Am besten per Liveübertragung ausgenmais-freihandelsabkommen-amerika den Verhandlungsräumen oder besser noch per Public Viewing. Jeder soll bitteschön mitreden dürfen. Wir sind ja alle so kompetent in Sachen Zollregularien, Qualitätszertifizierung, internationalem Handelsrecht usw.. Unterschlagen wird dabei, dass die Regierungen aller EU-Mitgliedsstaaten der Europäischen Kommission einstimmig das Verhandlungsmandat erteilt haben. Schon mal irgendwo gesehen, dass komplexe internationale Verhandlungen öffentlich stattfinden? Dass am Ende die Europäische Kommission, das Europaparlament, die gewählten nationalen Regierungen und in bestimmten Fällen auch noch die nationalen Parlamente das Verhandlungsergebnis absegnen müssen, wird einfach kleingeredet. Und dann drohen da auch noch die bösen Schiedsgerichte, die im Freihandelsraum zukünftig über Rechtsstreitigkeiten der allerkompliziertesten Handels- und Investitionsrechtsfragen entscheiden sollen. Da sitzen dann nicht mit der Materie fachlich zumeist überforderte Richter, sondern Fachjuristen, die sich auskennen. Funktioniert übrigens seit Jahrzehnten zur vollsten internationalen Zufriedenheit schon heute bei der Internationalen Handelskammer in Paris. Verschweigen die Anti-TTIP-Lobbyisten aber lieber und malen stattdessen Beelzebub an die Wand. Summa summarum will man uns eintrichtern, dass in den USA letztlich alles ja so fürchterlich unethisch gehandhabt wird. Profit vor Menschenwohl. Währenddessen machen wir, besonders in Deutschland, Front für erneuerbare Energien und gewinnen sie zum Teil aus Nahrungspflanzen. Ist das ethisch vertretbar?

Bis neulich !

Dietrich Kantel

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    TTIP droht afrikanischen Staaten die Märkte wegzuschnappen. Und das ausgerechnet in einer Zeit, in der sie sich um verantwortlichere Regierungsführungen bemühen. Und sie schaffen gerade Voraussetzungen für Investitionen in die Leichtindustrie und die Verarbeitung landwirtschaftlicher Güter.
    Tags: ttip, eu, usa, um, arme, handelsabkommen, europäische


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