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Bargeld ist Freiheit

Dietrich Kantel

Autor Dietrich Kantel

„Bargeld lacht“ oder: „nur Bares ist Wahres“ – das weiß der Volksmund seit Jahrhunderten aus Erfahrung. Und der Kölner freut sich ganz einfach über „Käsch op de Täsch“, denn da weiß er, was er hat. Damit soll bald Schluß sein, ginge es nach den Interessen der Finanzindustrie. Und auch staatliche Überwachungs-Freaks reiben sich schon klammheimlich die Hände. Die Frage ist, ob wir uns das gefallen lassen wollen.

„Die Bargeldabschaffung kommt ganz sicher“. So titelte jüngst Focus-Online unter Berufung auf den Experten für Zahlungsverkehr Gerald Mann, seines Zeichens Professor an der FOM München, einer privaten Hochschule für Ökonomie und Management. Auch der angeblich so „wirtschaftsweise“ Professor Bofinger stößt in dasselbe Horn. Die Stimmungslage der Bevölkerung wird so getestet. Ob sie mit solchem Wunschdenken Recht behalten wird, ist derzeit zum Glück noch nicht ausgemacht. Denn die Deutschen lieben ihr Bargeld. Noch nimmt der Bundesbürger im Alltag 80 Prozent aller Zahlungen in bar vor und diese machen wertmäßig rund 53 Prozent aller Transaktionen aus. Das stellt sich in anderen Ländern allerdings bereits heute anders dar. In Schweden, einem Musterland staatlicher Bevormundung, kann man auch bei Alltagseinkäufen im Geschäft um die Ecke selbst bei Kleinstbeträgen vielfach nur noch per Kredit- oder Girokarte zahlen. In Dänemark ist man dabei, etwa Tankstellenbetreiber von der Pflicht zur Entgegennahme von Bargeld „zu befreien“. Und in Frankreich ist im Supermarkt die Zahlung per Scheck Gang und Gäbe. Doch auch in diesem unseren Lande wurden – natürlich nur unter dem Deckmantel des angeblichen „Supergrundrecht Sicherheit“ – in der Vergangenheit etwa mit dem sogenannten „Geldwäschegesetz“ staatliche Restriktionen etabliert. So sind Barzahlungen ab einem Betrag von über 10.000 Euro seit geraumer Zeit meldepflichtig, Handwerkerrechnungen werden in der Steuererklärung nur anerkannt, wenn diese durch Banküberweisung geleistet wurden und mit dem Geldkoffer zum Finanzamt gehen, um die Steuerschuld zu begleichen, führt auch nicht mehr zum Ziel: Bargeld wird dort schon lange nicht mehr angenommen.

Euro – Deutschland

Alleiniges Zahlungsmittel ?
All dieses geschieht in Deutschland de facto und konterkariert damit eigentlich die Gesetzeslage. § 14 des Bundesbankgesetzes besagt: „Auf Euro lautende Banknoten sind das einzige unbeschränkte gesetzliche Zahlungsmittel“. Eigentlich heißt das: eine Zahlschuld kann man wirksam nur mit Bargeld begleichen und Bargeld muß angenommen werden. Alle nicht-baren Zahlungsformen sind nur Ersatzhandlungen. „Platzt“ der Scheck, ist die Schuld nicht beglichen. Geht die Giro-Kartenlastschrift zurück, gilt dasselbe. Den Staat ficht das alles nicht an: er handelt gegen das Gesetz, siehe Finanzamt. Oder auch die Rundfunkgebühr der GEZ-Nachfolgeorganisation. Per Vertrag zwischen den Bundesländern („Staatsvertrag“) wird Zahlung nur per Überweisung akzeptiert. Man bricht ganz einfach das Gesetz und die Gerichte unterstützen das (derzeit) auch noch.

Die Feinde des Bargeldes
Zahlreich sind die Feinde des Bargeldes. Da ist nicht nur „der Staat“. In seiner heute zunehmenden Ausformung in Deutschland als Fürsorge-, Überwachungs- und Für-Alles-Irgendwie-Zuständigkeitsobrigkeit käme ihm die Abschaffung des Bargeldes wohl sehr zu Pass. Er sagt es nur nicht so laut, um die schlafmützigen Bürger nicht zu erschrecken. Deswegen läßt man es schleichend geschehen, erklärt sich nicht ausdrücklich gegen die rein wirtschaftlich begründeten Interessen der Finanzindustrie. Der Staat, oh wie ist das schön: Keine Schwarzarbeit mehr möglich; unerschöpfliche Vorratsdaten über das Verhalten des Bürgers, wann war er wo, was hat er von wem gekauft, warum konnte er sich das leisten, was hat er wem verkauft, war das nicht vielleicht verdächtig und: wo ist das erhaltene Geld geblieben, hat er das dann auch versteuert…? Die Banken, oh wie ist das schön, kein Bankraub mehr ist da noch das Geringste: Keine (teuren) Kassierer, keine (teuren) Geldautomaten, kein (teures) Geldzählen, Sortieren, Aussondern, Zurückschaffen, Neubeschaffen. Die Online-Wirtschaft, oh wie wunderbar: Call-Center zur Erkundung des Konsumentenverhaltens: überflüssig. Forschungsaufträge zum selbigen Zweck: nicht mehr nötig. Adressenkauf für Werbesendungen: war gestern. Alle Daten sind jederzeit greifbar – kostenlos und im Überfluß.

Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt
Aber wer nichts zu verbergen hat, hat ja auch nichts zu befürchten, wird es wohl wieder heißen, um den Bürger ruhig zu stellen. Und der Mensch wird gläsern.Glasmensch Vollständig. Er wird weit gläserner, als George Orwell („1984“) oder Aldous Huxley („Brave New World“) sich das in ihren kühnsten Phantasien jemals vorstellen konnten. Doch schon sie beschrieben, wie sich menschliches Verhalten unter solcher Komplettdurchleuchtung in allen Lebensbereichen ins Schreckliche verkehren könnte.

Steht die Entmündigung des Bürgers, der seine Freiheit und sein Selbstbestimmungsrecht gegen die großen Manipulatoren verteidigen will, schon unmittelbar bevor?  Die Hoffnung bleibt, dass es nicht so kommt. Selbstbewußte Bürger waren immer schon findiger, als es der Staat oder Monopolisten für möglich hielten. Wird Bargeld, d.h. in der heutigen Form von Münzen und Scheinen, abgeschafft und verboten, findet der Mensch erfahrungsgemäß die passenden Lücken. Auch Muscheln waren in der Geschichte der Menschheit schon erfolgreich „Geld“ – oder auch Zigaretten. Tauschwirtschaft – angesichts der Möglichkeiten des Internet – würde aufblühen. Bitcoin, Gold und andere Edelmetalle ließen grüßen. Und das alles wäre wieder schwer zu kontrollieren. Da kann es auch bei Münzen und Scheinen bleiben. Und noch hält immerhin die Deutsche Bundesbank daran fest. Dort saßen glücklicherweise immer noch die helleren Köpfe als in Politik und Verwaltung.

Dietrich Kantel


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