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Seniorenkrieg auf dem Zebrastreifen

Seniorenkrieg auf dem Zebrastreifen

Gegen unkontrolliertes Ausrasten ist wohl kaum einer gefeit – auch ältere Mitbürger nicht. Ein Beispiel verhandelte kürzlich das Bonner Amtsgericht. Was war geschehen? Ein 80-jähriger Vespa-Fahrer kollidierte mit einem 82-Jährigen auf einem Zebrastreifen. Er konnte wegen der regennassen Fahrbahn nicht ausweichen. Die beiden Senioren hatten nur kleine Verletzungen.
Als der Rollerfahrer seinen Fuß unter dem Gefährt befreien wollte, stürzte schon sein Unfallgegner auf ihn los. Anstatt der erwarteten Hilfe bezog der Rollerfahrer eine gehörige Portion Prügel mit dem Regenschirm. Der Kampf ging wohl auch um den Roller-Schlüssel. Es sollte die Flucht des Fahrers verhindert werden. Diesen Kampf konnte der Fußgänger für sich entscheiden. Der Schlüssel landete unerreichbar in einem hohen Bogen im Gelände.
Ein 43-jähriger Lkw-Fahrer in der Nähe konnte diesen Krieg auf dem Zebrastreifen kaum fassen. Ziemlich erfolglos versuchte er, die beiden Herren zur Räson zu rufen. Das spätere Machtwort der Amtsrichterin: Das Aggressionspotenzial des Regenschirmschlägers sei „erstaunlich“ gewesen. Strafe: 500 Euro.
Und was sagte der aggressive Geschädigte vor Gericht? „Nach dem Unfall war ich so in einem Stresszustand, dass ich nicht mehr genau weiß, was passiert ist. Ich hatte Herzrasen und zitterte am ganzen Körper. Ich hatte das Gefühl, eine Herzattacke erlitten zu haben.“
Das Ausrasten folgt also Gesetzen, die sich manchmal erst in der Rückschau als erklärbar offenbaren. Dennoch: Selbstjustiz oder Prügelstrafen sind in unserem Rechtsstaat auch für betagte Rentner nicht erlaubt – mit gutem Grund. Daher: Man kann das Ausflippen des Unfallopfers verstehen. Aber derartige körperliche Attacken müssen vor Gericht geahndet werden. Eine angemessene Abschreckung erscheint auch bei vergleichsweisen glimpflichen Unfällen höchst angemessen.




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